Venushaar

… und andere haarige Angelegenheiten

Ob Venushaarfarn, der im Mittelalter als Zutat für Liebestränke verwendet wurde, hier tatsächlich Wirkung entfaltete, ist nicht überliefert, er gilt jedoch bis heute als Hausmittel gegen fettiges Haar und Schuppen. Da er auf dem Hofgelände in großer Menge wächst, habe ich schon im letzten Sommer begonnen, ihn zu sammeln und zu trocknen, um ihn zunächst als Sud zu verwenden, den ich nach dem Waschen in Haar und Kopfhaut einmassiert habe.

Diverse Haarpflegeexperimente später landet er nun erneut in einem Trank, aber fangen wir von vorn an …

Nach den ersten Versuchen mit Quinoa, Efeu, Kastanien und Asche bin ich dazu übergegangen, mir die Haare einfach mit Wasser zu waschen. Um den Talg, anstatt ihn zu entfernen, gleichmäßig (und pflegend: der Rat, jeden Tag 100 Bürstenstriche zu machen, kommt nicht von ungefähr!) im Haar zu verteilen, habe ich mir eine Bürste mit Wildschweinborsten gekauft. Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob eine vegane Sisalbürste ethisch gesehen nicht die bessere Wahl wäre, mich aber, nachdem die Gemüseernte untergepflügt und das letzte meiner Blumenbeete in eine Suhle verwandelt worden war, anders entschieden: Die Rache ist mein, spricht die Bäuerin!

Zunächst schien das gut zu funktionieren, aber mit der Zeit wurden die Haare immer fettiger, egal wie oft ich sie wusch. Zeit für das nächste Experiment also: Lavaerde. Damit sah der Haaransatz wieder prima aus, aber die Längen verwandelten sich nach und nach in Stroh, das sich kaum noch durchbürsten ließ. Ich habe ernsthaft erwogen, mich endlich von meinem langen Haar zu trennen und mich fortan mit dem Trimmer zu frisieren!

Stattdessen habe ich es nach einem kurzen Rückfall in die Shampoo + Conditioner – Zeiten dann doch noch mit Roggenmehl versucht.

Ich verrühre etwa 3 Esslöffel Roggenmehl mit 210 Milliliter lauwarmem Wasser und lasse die Mischung mindestens 10 Minuten lang stehen. Die Waschleistung ist nach dieser Zeit am besten, da sie durch die Stärke zustande kommt, welche mit der Zeit ihre Fähigkeit, sich mit Fett zu verbinden, verliert. Die pflegende Wirkung dagegen wird, da sich nun andere Inhaltsstoffe lösen, mit dem Zeitverlauf immer stärker und so kann man das Ganze je nach Bedarf auch einige Stunden lang stehen lassen. Ein paar Tropfen Olivenöl erhöhen die pflegende Wirkung noch. Ist ein Rest Kaffee übrig, kann der auch mit hinein: Ob das Koffein tatsächlich die Kopfhaut anregt (und zu was), weiß ich nicht, aber es fühlt sich schön frisch an.

Die Mischung wird im nassen Haar verteilt, muss aber nicht groß einmassiert werden. Nach drei bis fünf Minuten wird sie ausgespült, wofür man idealerweise einen harten Wasserstrahl benutzt.
Den liefert unsere liebe Dusche nun nicht … Im Gegenteil, wenn keine Sonne scheint und ich das Duschwasser auf dem Küchenofen erhitze, um es mir anschließend mit einem Litermaß über den Kopf zu gießen, dann rieselt es, wenn die Haare zu trocknen beginnen …
Ansonsten aber bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden!

Da unser Wasser extrem weich ist benötige ich keine saure Rinse zum Abschluss, sondern spüle nur ganz zum Schluss mit kaltem Wasser.

Meine Haare sind sauber, weich, haben einen schönen Glanz und lassen sich völlig problemlos auskämmen!
Wer das selbst ausprobieren möchte, findet weitere Infos hier: Haare waschen mit Roggenmehl – so klappt’s mit jedem Haartyp.

Ein paar Wochen später haben Kopfhaut und Haare sich soweit beruhigt, dass ich wieder „water only“ Wäschen einschieben kann, die ich nutze, um einen Conditioner auf Basis von Leinsamen auszuprobieren.

Das Grundrezept  besteht aus 3 Esslöffeln Leinsamen, die man mit einem Liter kochendem Wasser übergießt und mehrere Stunden lang stehen lässt.
Ich füge dem Wasser eine Handvoll Venushaarfarn zu und bereite zunächst einen Sud, der dann erneut aufgekocht und zusammen mit einem Rosmarinzweig zum Leinsamen gegeben wird. Die Leinsamenkörner umgeben sich nun mit einer Art Schleimschicht, die sich am einfachsten im Wasser verteilen lässt, wenn man ein großes, fest verschließbares Glas benutzt und dieses hin und wieder kräftig schüttelt. Anschließend wird das Ganze durch ein Sieb gegossen.

Der Conditioner hält sich nur wenige Tage, kann aber problemlos (zum Beispiel in Eiswürfelbehältern) eingefroren werden.

Anfangs bin ich, ehrlich gesagt, skeptisch: Das Zeug ist total glibberig! Und es soll ja nicht ausgespült werden, sondern im Haar bleiben …
Aber tatsächlich kleben meine Haare nicht etwa – wie befürchtet – zusammen, sondern lassen sich problemlos auskämmen und fühlen sich gut an!

Die Frage, wie ich sowohl Mehlplempe als auch Conditioner ohne große Ferkelei in den Haaren verteile, ist ebenfalls rasch beantwortet: Hier leisten alte Spülmittelflaschen ausgezeichnete Dienste!

Einmal auszuprobieren, wie ich wohl kahlgeschoren aussehe, reizt mich nach wie vor!
Aber jetzt würde ich’s aus Neugierde tun, nicht aus Verzweiflung!

Iris

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3 Gedanken zu “Venushaar

  1. Wie geht es Dir jetzt in den Cevennen? Ich bin mal sechs lang Wochen mit dem Wohnmobil dort unterwegs gewesen. Es ist schon Jahrzehnte her, aber ich kann die schöne Landschaft und die Ruhe die man dort hat nicht vergessen. Habe mich total wohl gefühlt. Wir waren mit Hund unterwegs, im Zentralmassiv – Hérault, an der Ardéche usw.
    LG Susanne

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