Freya

Freya, unsere schöne sanftmütige Freya wurde auch „die Landadlige“ genannt, sah sie doch stets adrett und gepflegt aus – selbst kurz nach einem ausgiebigen Schlammbad.
Und sie konnte mitunter durchaus heikel sein: erfrechte sich einer der anderen Hunde, sie beim Essen oder womöglich bei ihrem Nickerchen zu stören, oder „kam ihr sonst irgendwie doof“, wurde er hastdunichtgesehn ganz undamenhaft auf den Rücken gedreht.
Ich habe einmal beobachten können, wie diese Behandlung einem naseweisen Jagdhund-Welpen zuteil wurde, der sie ankläffte und nach ihr schnappte: Zunächst streckten sich ihre Vorderläufe, während ihr Gesichtsausdruck … irgendwie … sparsam wurde. Dann kräuselte sie kurz ihre Nase, wie Hunde es tun, wenn sie etwas riechen, das sie eklig finden. Und WUPP! lag der kleine Nervling kreischend zwischen ihren Pfoten. Er lag tatsächlich dazwischen: ich wüsste nicht, dass sie die anderen Hunde bei solchen Auseinandersetzungen je berührt hätte.
Lediglich für Victor galten andere Spielregeln. Der blieb stets auf den Füßen, wurde aber gegebenenfalls mit einem Biss ins Ohr zur Raison gebracht.

Eine Kämpferin war sie nicht. Wachsam durchaus, rasch empört über störende Eindringlinge und stets an Victors Seite, wenn es galt, den Hof und seine Bewohner zu beschützen. Die Konfrontation selbst hat sie allerdings lieber ihm überlassen.
Streunende Hunde, sofern sie sich gut benommen haben, habe ich sie mehr als einmal freundlich begrüßen sehen.
Gewitter und Schüsse hat sie gefürchtet. Es war schwierig, an Jagdtagen Kastanien zu sammeln, wenn einem dabei 40 Kilo Hund auf den Schoß zu klettern versuchten, oder wenigstens im Arm gehalten werden wollten. Und anrührend zu sehen, wie sicher sie sich war, dass ihr in der Nähe ihrer Menschen nichts passieren könne.

Victor und Freya sind Zeit ihres Lebens ein Paar gewesen und so hat sie zahlreiche Welpen großgezogen. Und sich auch an einigen Lämmern versucht, die sie ihren Müttern zu diesem Zweck kurzerhand zu entwenden pflegte. Im Umgang mit Menschenkindern war sie einer der freundlichsten und geduldigsten Hunde, denen ich je begegnet bin und dürfte so etliche der kleinen Feriengäste des Hofes von ihrer Scheu vor Hunden kuriert haben.

Freya konnte lächeln! Die meisten Hunde lachen, es ist das Gesicht, das sie uns beim Spielen zeigen, viele grinsen auch, wenn sie Spaß haben und präsentieren dann bei geschlossenem Kiefer sämtliche Zähne. Sie dagegen hat zurückhaltend gelächelt.

Oskar und ich haben viel von Freya gelernt. Er zeigt bei Begegnungen aber auch in Konflikten mit anderen Hunden heute viel mehr verschiedene Verhaltensweisen, als er das früher getan hat – sein „Wortschatz“ ist sozusagen größer geworden und er „argumentiert“ besser. Mir hat die Tatsache, dass sie immer absolut „sauber“ kommuniziert hat, Mut gemacht, derlei „Diskussionen“ überhaupt erst zuzulassen.

Im Grunde ihres Herzens war die Landadlige ein unkomplizierter, durch und durch freundlicher Hund.

Nach Victors Tod haben wir angenommen, dass sie trauere. Danach, so schien es, setzte ihr die große und anhaltende Hitze zu. Aber seit dem Ende des letzten Sommers war nicht mehr zu leugnen, dass die alte Dame nun wirklich alt wurde.
Einmal bei der Arbeit war sie immer noch flott unterwegs, aber das Aufstehen fiel ihr sichtlich schwer. Und zum Winter hin wurde sie immer weniger.

In dem Bemühen, sie wieder aufzupäppeln, bekam sie nun tagtäglich einen liebevoll angerichteten „Seniorenteller“ serviert und hat das auch durchaus zu schätzen gewusst: Früher hatte sie geruht, zu den Mahlzeiten zu erscheinen, jetzt eilte sie herbei. Und tatsächlich nahm sie wieder zu, bekam erneut ein schönes, dichtes Fell und wirkte guter Dinge. Major und sie sind – obwohl sie ihn lange Zeit nur geduldet und gelegentlich harsch in seine Grenzen verwiesen hat – auf ihre alten Tage zu einem Team zusammengewachsen, das Nacht für Nacht gemeinsam seinen Pflichten nachging. Auch tagsüber sah man die beiden häufig zusammen im Schatten ruhen. Wir hätten uns sehr gewünscht, diese Zeit möge noch ein wenig länger andauern.

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Am 07. August 2018 musste Freya wegen eines Karzinomes am Uterus operiert werden. Den Eingriff selbst hat sie gut überstanden, aber im Anschluss ist eine Komplikation eingetreten, die sie nicht überlebt hat.
Wir haben sie im Schatten der großen Steineiche begraben. So ist sie wieder an Victors Seite.

Iris

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7 Gedanken zu “Freya

  1. Dass eine solche Nachricht irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft kommen würde, war ja klar. Aber traurig sind wir trotzdem. Wir haben sie sehr gemocht.
    Herzliches Beileid allen Hinterbliebenen. Und vielen Dank für den schönen Nachruf, Iris.
    Liebe Grüße
    Daniel und Anneliese

    Gefällt 1 Person

    1. Dankeschön!
      Wir wussten, dass sie nicht mehr allzu lange bei uns sein würde, aber das kam jetzt doch sehr plötzlich.
      Manchmal komme ich mir seltsam vor, wenn ich Nachrufe auf Hunde schreibe, aber es hilft mir dabei, mit der Trauer zurechtzukommen.
      Sie fehlt uns sehr.

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