Experimentierfreud … und -leid

Ohne Spaß am Experimentieren, ein gerüttelt Maß an Spieltrieb und gelegentlich auch etwas Mut, kann man nicht wirklich gut kochen, das ist meine feste Überzeugung!
In den letzten Wochen habe ich meinen diesbezüglichen Neigungen mal freien Lauf gelassen und natürlich – das überrascht jetzt nicht wirklich, oder? – sind dabei nicht nur „bloggenswerte“ Rezepte entstanden, sondern auch diverse Gelegenheiten … sagen wir …, lehrreiche Erfahrungen zu machen. Auch die möchte ich Euch nicht vorenthalten …

Als da wären …
die Idee, Likör zu machen.
Ich mag keinen Likör. Ich würde sehr viel lieber Schnaps brennen, was allerdings verboten ist. Also beschließe ich, einen Mittelweg zu suchen: Einen selbstgemachten Likör mit möglichst wenig Zucker. Und natürlich mit solchen Zutaten, die auf dem Hof wachsen.
Anstelle der Früchte könne man auch die Blätter der entsprechenden Bäume verwenden, lese ich und muss sogleich an den Haselnussstrauch am Küchengarten denken. Die Nüsse, die der produziert, sind so winzig, dass man Stunde um Stunde Nüsse knacken muss, um auch nur 100 g zum Backen benutzen zu können. Die Blätter sind normal groß …
Ich versenke 40 Haselnussblätter in Wodka und der erste Lernerfolg stellt sich ein, als ich den Löffel ablecke, mit dem ich die Blätter nach unten gedrückt habe: „Was immer du vorhast: Nimm guten Wodka!“. Die Marken, die in Frankreich verkauft werden, sagen mir nichts, da werde ich wohl noch ein wenig suchen müssen. Dieser jedenfalls kommt recht sprittig daher.
Alle paar Tage probiere ich ein Teelöffelchen: Mein Likör schmeckt penetrant nach Kardamom, den ich ebenfalls zugegeben habe, immer noch sprittig und sonst nach nix.
Das ist der Moment, in dem ich lerne, dass Haselnusssträucher veredelt werden. Der unsere ist das nicht. Das erklärt vermutlich auch die winzigen Nüsse …
Unterdessen trägt auch unser Walnussbaum grün. Veredelt ist der auch nicht, aber die Nüsse sind prima. So gesellen sich 40 Walnussblätter zu denen vom Hasel. Und immerhin nimmt das Gebräu nach einigen Tagen Farbe an! Und einen sprittig-herben Geschmack.
Hin und wieder gebe ich etwas Zucker dazu und so ganz allmählich beginnt die Sache, ein wenig runder zu schmecken. Daraus kann was werden! Es wird allerdings noch ein bisschen dauern …

Noch mehr Geduld werde ich aufbringen müssen, bis ich weiß, ob der Knoblauch, den ich nach einem persischen Rezept eingelegt habe, was geworden ist: mindestens 6 Monate. In dieser Zeit soll er erst grünblau und später hellbraun werden. Ich bin sehr gespannt!

IMG_23115-webDie Wartezeit vertreibe ich mir unter anderem damit, verschiedene Rezepte für veganen Käse auszuprobieren.
Eines wird als prima Alternative zu Gouda angepriesen. Das Ergebnis jedoch besticht durch zarte Süße und ein feines Zitronenaroma. Da es immerhin sehr schön cremig ist, könnte es allerdings noch Verwendung für Tortenrezepte finden.
Ein „goldgelber Schnittkäse“ vermag geschmacklich ebenfalls nicht zu überzeugen und sieht nicht nur aus wie Leberwurst, er hat auch die selbe Konsistenz, was mich immerhin auf eine Idee für ein veganes Wurstrezept bringt. Dazu in Bälde mehr.

Ich beginne, mich zu fragen, ob manchmal womöglich die Begeisterung darüber, etwas selbst hergestellt zu haben, über den Umstand hinwegtäuscht (-tröstet?), dass es wenig Ähnlichkeit mit dem ursprünglich angestrebten Ergebnis hat. Davon könnte ich mich, wenn ich ehrlich bin, durchaus nicht ausnehmen.
Oder ob man wohl, wenn man nur lange genug vegan isst, tatsächlich vergisst, wie zum Beispiel Parmesan geschmeckt hat?
Andererseits: Solange das, was man da fabriziert hat, lecker ist, ist die Welt ja eigentlich in Ordnung!
Bei manchen Rezepten frage ich mich allerdings schon, ob die AutorInnen ihr Werk tatsächlich auch gekostet, oder nur ein Foto davon gemacht haben …
An Unvermögen meinerseits mag ich nicht glauben, auch wenn es natürlich nicht vollständig auszuschließen ist: Das eine oder andere Rezept legendär in den Teich zu setzen, gehört dazu, wenn man kochen lernen will.

Und so habe ich bislang nicht vor, das Projekt aufzugeben.
Ein Rezept für eine Art Frischkäse auf Cashewbasis gibt im Gegenteil Anlass zu den schönsten Hoffnungen: damit kann man arbeiten!

IMG_23147-web
Brot habe ich bisher ganz unverzagt „frei Schnauze“ gebacken und war mit den Ergebnissen in aller Regel recht zufrieden.
Bis das Verhängnis in Gestalt eines Brot-Blogs über mich hereinbrach …
Das las sich durchaus kundig und seriös, war aber voll von Fachchinesisch: Unter „strecken und falten“ konnte ich mir etwas vorstellen, aber was um alles in der Welt sollte „rundwirken“ sein?
Und hastdunichtgesehen fand ich mich in der Welt der Backvideos auf Youtube wieder. Völlig faszinierend, was man mit Hefe- und Sauerteig alles anstellen kann!
Also habe ich dieses und jenes mal freischwebend ausprobiert, Ehrgeiz entwickelt und so zum ersten Mal ein Brot so richtig amtlich nach Rezept gebacken. Okay, ich hatte nicht so ganz die passende Mehltype und unser kleiner Elektroofen schafft bestenfalls … sagen wir … Näherungswerte an die geforderten Temperaturen, aber ansonsten bin ich mit den allerbesten Vorsätzen zu Werke gegangen!
Der Teig kam mir dann schon ein wenig klebrig vor, aber was versteh ich schon davon?
Eine zentimeterdicke Teigschicht, die schon wie Teer an meinen Händen klebte, bevor ich auch nur „strecken und falten“ denken konnte, hat mich gelehrt, dass es hin und wieder nicht schadet, den eigenen Eindrücken einfach mal zu trauen. Und: dass in solchen Momenten nie jemand da ist, der mal mit sauberen Händen nach der Mehltüte greifen könnte.
Einige lästerliche Flüche und eine verklebte Mehltüte später hatte mein Werk dann immerhin entfernte Ähnlichkeit mit seinen geschmeidigen Kumpels aus den Videos. Danach haben wir uns erst einmal zur Ruhe begeben: Der Teig in den Kühlschrank (wo er über Nacht verbleiben sollte), ich ins Bett.
Gebacken sollte in einem vorgeheizten Gußtopf werden – das hatte ich bereits ausprobiert und war von den Ergebnissen durchaus angetan. Außerdem ist es spannend: Einen heißen, schweren Topf aus einem kleinen Elektroofen, der in Schulterhöhe angebracht ist, herauszuangeln, in den er so gerade eben und nur ohne Deckel hineinpasst, birgt eine gewisse Verletzungsgefahr.
Der Moment, wenn man den Teig dann in den Topf plumpsen lässt, entschädigt einen allerdings: Es zischt und dann sieht man das Brot geradezu aufpoppen!
Nachdem ich den Topf dann glücklich in den Ofen zurückbusiert hatte, ist mein Brot dort auch noch einmal ganz prachtvoll aufgegangen!
Bis es den Glühstab des Ofens berührte und zu verbrennen begann. Mein – zugegeben – etwas überstürzter Rettungsversuch hat es dann leider mittenmang entzweigerissen.
Vergebliche Liebesmüh, die beiden Hälften einzeln fertigzubacken …
Die Kruste immerhin hat man essen können.

Danach haben wir erst einmal das bewährte Sauerteigbrot gebacken.
Nicht, dass ich den Mut verloren hätte, aber essen müssen wir ja auch …

Meine Experimente mit Rohkost dagegen, hatten sehr erfreuliche Ergebnisse!

Bei einem unserer Nachbarn habe ich vor einiger Zeit Gurken mit Reisessig probieren dürfen und sehr lecker gefunden.
Nun sind unsere Gurken noch nicht ganz so weit, aber es gibt Kohlrabi und siehe da! auch der schmeckt mit einem Schuß Reisessig außerordentlich gut. Ich schneide mit dem Sparschäler hauchdünne Streifen, gebe eine Prise Salz, den Essig und etwas Öl hinzu und lasse das Ganze einen Moment ziehen. Mutig geworden habe ich dann noch ein paar Blättchen Thaibasilikum darüber gestreut: Wunderbare Sache!
Aber tatsächlich noch zu toppen indem man anstelle des Salzes eingesalzenenes Thaibasilikum verwendet.

Der Reisessig hat es mir wirklich angetan und so kommt ein Schuss davon auch an eine Mischung aus Kohlrabi und Möhre, beides in feine Stifte geschnitten. Reisessig und Ahornsirup. Passt!
Auch hier kommt noch eine Prise Salz und eine ganz kleine Menge Öl dazu.

Zu gestiftelten roten Beete gebe ich eine Prise Salz, dunklen Balsamico und – anstelle des gerösteten Sesams, den ich dazu sonst sehr lecker finde – Macadamia-Öl.

Mein absoluter Favorit allerdings ist eine Variante, bei der ich lange überlegt habe, ob ich das tatsächlich ausprobieren soll: rote Beete mit Kokosraspeln.
Ich röste die Kokosraspeln ganz vorsichtig in einer trockenen Pfanne an und hebe sie dann unter die gestiftelte rote Beete. Dazu kommt die berühmt berüchtigte Prise Salz, etwas Öl und Crema di Balsamico. Kö!Nig!Lich!

Iris

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2 Gedanken zu “Experimentierfreud … und -leid

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