Der Stolz italienischer Frauen

Knapp 15 Jahre ist es her, dass ich mir ganz dringend eine Nudelmaschine gewünscht habe, um sie dann nach einmaliger Benutzung in den Keller zu verbannen. Zu mühselig schien das Ganze und im Ergebnis nicht überzeugend. Trotzdem hat sie zu den wenigen Besitztümern gehört, die ich mit nach Frankreich genommen habe – neben Pürierstab, Standmixer und Fritteuse.

Vor kurzem hat es mich dann tatsächlich noch einmal heftig in den Fingern gejuckt: Ich bin über ein Rezept gestolpert, in dem (gekaufte) Kichererbsennudeln verwendet wurden … Wo ich doch so auf Kichererbsen stehe! Ein entsprechendes Pastarezept war schnell gefunden. Und doch habe ich meinen zweiten Anlauf, Nudeln selbst herzustellen, zunächst mit dem Nudelholz unternommen – einfach weil es mir praktischer erschien. Ist es auch. Aber man hat dann eben doch ziemlich dicke Nudeln (ich jedenfalls) und ich fand, der feine Kichererbsengeschmack hätte feinere Nudeln verdient.

Also habe ich für einen zweiten Versuch die Nudelmaschine in Betrieb genommen und siehe da: Das ging erstaunlich unkompliziert! Okay … Zeit braucht man schon. Und eigentlich drei Hände: Eine, um den Teigstreifen in die Maschine zu führen, eine, um ihn unten wieder herauszufädeln und eine natürlich, um die Kurbel zu drehen. Die schönen Teigplatten, aus denen man dann Formen aussticht oder Streifen radelt, waren zunächst auch weit und breit nicht in Sicht …
Jamie Oliver schreibt, wenn man den Bogen einmal raushätte, wäre selbstgemachte Pasta auch nicht mehr Arbeit, als gekaufte. In diesem Punkte, denke ich, irrt der Meister. Dankenswerterweise schreibt er aber auch, dass man den Teig mehrere Male durch die Maschine drehen soll. Und tatsächlich: Die Konsistenz verändert sich. Je häufiger ich den Teig falte und erneut ausrolle, desto pflegeleichter wird er! Und wenn ich ihn dabei in etwa auf Walzenbreite falte und um 90° drehe, dann kommt tatsächlich etwas dabei heraus, aus dem man eine Lasagneplatte schnitzen könnte. Den Tagliatelle-Aufsatz zu verwenden, über den mein wackeres Maschinchen verfügt, traue ich mich indes noch nicht – meine ersten Tagliatelle sind handgeradelt mit Zackenmuster!

Weil ich vor einiger Zeit bei Freunden Buchweizennudeln gegessen habe und die sehr lecker fand, mache ich einen weiteren Versuch mit Buchweizenmehl. Außerdem lasse ich die Eier weg: In italienischer Pasta sind schließlich auch keine! Ein entsprechendes Rezept finde ich bei Marktfrau Jenny.
Anstelle von etwas, das auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einer Teigplatte hätte, kommt diemal eine Art Spätzle aus der Nudelmaschine gekrümelt …
Hier hilft nur eins: Fest an Jamie Oliver denken, die Krümel zusammenfegen und beherzt weitermachen!
IMG_22816-webUnd tatsächlich, einige Durchgänge später kann ich Teigkreise für Ravioli ausstechen, die ich mit einer Füllung aus gebratenen Pilzen und Zwiebeln und etwas Speck versehe. Hier muss man flink sein, sonst beginnt der Teig zu trocknen und reißt beim Falten der Ravioli ein. Im ersten Schritt spare ich mir die Dekoration der Ränder, im zweiten forme ich zwei Teigkreise zu einem UFO … aber ansonsten klappt das recht gut und die Ravioli überstehen den Kochvorgang unbeschadet. Anschließend schwenke ich sie in Olivenöl, in dem ich einen Rosmarinzweig angeröstet habe. Reste der Füllung kommen mit in die Pfanne.

IMG_22840-webMutig geworden mache ich die nächsten Kichererbsennudeln nur mit etwas Öl, Salz und Wasser. Klappt auch! Der Teig lässt sich nicht ganz so dünn ausrollen – irgendwann kommt nur noch eine Art Krepp aus der Maschine, aber aus dem Tagliatelle-Aufsatz kommen tatsächlich Bandnudeln! Der Arm, den man benötigt, um die Nudeln aus der Maschine zu führen, ist jetzt allerdings beim Kurbeln im Weg, was zu umgehen einige Gelenkigkeit erfordert …
Auch diese Nudeln überstehen den Kochvorgang und ich serviere sie mit Kürbisragout.

Was den Geschmack betrifft, bin ich sehr zufrieden mit den Ergebnissen meiner Bemühungen, aber die Konsistenz lässt leider zu wünschen übrig: Es fehlt der Biss, den gute Pasta doch unbedingt haben soll …

Back to the roots also – vielleicht liegt es ja am verwendeten Mehl.
Hartweizenmehl bekommt man hier in Frankreich nicht ohne Weiteres, ich mahle also selbst welches und hoffe, dass es fein genug ist. Zu den 100g Hartweizen gebe ich einen Esslöffel Leinsamenmehl, das ich in 5 EL heißem Wasser eingeweicht habe sowie etwas Salz und Öl. Dann knete ich Wasser unter, bis ich eine Teigkugel formen kann, die anschließend eine halbe Stunde im Kühlschrank ruhen darf. Auch dieser Teig ist zunächst ein wenig widerborstig, lässt sich dann jedoch problemlos zu Ravioli verarbeiten. Diesmal mache ich gleich UFOs und verzichte auf Fotos – ein klein wenig hat mich der Elan dann doch verlassen …
Aber siehe da (*Tusch!*): Biss!!!

„Projekt Nudel“ wird also weitergehen und sowie ich richtig zufrieden bin, verrate ich Euch die genauen Rezepte.

 

 

Iris

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3 Gedanken zu “Der Stolz italienischer Frauen

  1. Alter Schwede! Was für eine Nudel-Odyssee! 😀 Iris, du bist echt genial.
    Denn, ich finde dieser Beitrag ist ein schönes Beispiel dafür, dass man früher oder später ans Ziel gelangt, wenn man nur nicht aufgibt. Ich freue mich echt total für dich, dass es mit den Nudeln doch noch geklappt hat. Wirklich bewundernswert, dass du dich da so durchgekämpft hast. Da schneide ich mir gern eine Scheibe von ab.
    Auf eine schöne, gemeinsame
    Vorweihnachtszeit liebe Iris.
    Jenny

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