Zwiebelaufstrich

Wir haben Zwiebeln süßsauer eingelegt, Zwiebelgemüse und Zwiebelsuppe eingekocht … und immer noch sind kistenweise Zwiebeln da…
Da wir andererseits immer auf der Suche nach veganen Brotaufstrichen sind, beschließe ich, mich an einem Zwiebelaufstrich zu versuchen.
Man nehme also 3 bis 4 Kilogramm geputzte und feingehackte Oignons doux …
Ich habe nicht vor, meinen einzelnen Küchenmaschinen eigene Blogartikel zu widmen (auch wenn ich neulich bei einer Bloggerkollegin was ganz Schickes gesehen habe), aber wer „mal eben so“ mehrere Kilo Zwiebeln fein gehackt haben möchte, sollte die Anschaffung eines solchen Maschinchens in Erwägung ziehen.
Im ersten Schritt kommen die Zwiebelwürfel mit einem ordentlichen Schuß Olivenöl in einer Paellapfanne auf den Küchenofen.
Für Zwiebeln, die in einer so trockenen Gegend gedeihen, enthalten Oignons doux erstaunlich viel Wasser. Und so werden sie zunächst weniger angebraten, als vielmehr „entwässert“ …
Wenn dieses Tun nicht paradox ist, dann weiß ich nicht, was sonst …
Diese Art der Gemüseverarbeitung wäre schlichte Energieverschwendung, wenn der Küchenofen im Winter nicht sowieso rund um die Uhr in Betrieb wäre. Und natürlich würde man Zwiebeln, die man mühsam bewässert hat, nicht ebenso mühsam wieder entwässern, wenn man sie nicht ansonsten kompostieren müsste …

Sowie die Zwiebelwürfel nicht mehr „schwimmen“, werden sie in einer separaten Pfanne goldbraun geröstet.
„Oh, das riecht aber gut!“ hören Köchinnen immer wieder, wenn sie einfach nur Zwiebeln anrösten! Und so beschließe ich, für einen ersten Versuch schlicht die gerösteten Zwiebeln mit etwas Pfeffer und Salz zu pürieren …
Pfui Spinne! Das Ergebnis vermag selbst eingefleischte (Entschuldigung!) Liebhaber von Schmalzbroten (nochmal Entschuldigung!) das Fürchten zu lehren … Viel zu fettig!

Glücklicherweise habe ich, weil auch die besten Küchenmaschinen immer so aufwendig zu reinigen sind, gleich mehrere Aufstriche geplant und diverse Zutaten vorbereitet. Ein Teil der vorsorglich gegarten Kichererbsen wandert also in die Zwiebeln, begleitet von Räuchersalz, frischgemahlenem Pfeffer und einer homöopathischen Dosis Aceito Balsamico.
Et voilà!
Das schmeckt schon nicht übel!

Im zweiten Anlauf gare ich die Kichererbsen zusammen mit Lorbeerblättern, Wacholderbeeren und Pimentkörnern und gebe neben Räuchersalz auch rohe Gemüsebrühe zum Aufstrich. Geröstete Selleriewürfel passen ebenfalls gut dazu.

Nachdem die Testphase damit zur Zufriedenheit abgeschlossen ist, beschließe ich, die restlichen Zwiebeln „in einem Abwasch“ zu verarbeiten – geputzt sind es knapp 15 Kilo.
Das schafft die Paellapfanne locker! Allerdings verbringen die Zwiebeln, bis die Flüssigkeit verdampft ist, eine ganze Nacht auf dem Küchenofen. Auch das Anrösten nimmt ein wenig mehr Zeit in Anspruch. Wenn dann Ofen und Herd gleichzeitig in Betrieb sind, klettert die Temperatur in der Küche rasch auf 28 bis 30 Grad und die Zwiebeln sorgen für eine Luftfeuchtigkeit, die sämtliche Fenster beschlagen lässt. Beginnen sie erst einmal zu bräunen, muss man flink sein, damit nichts anbrennt. Kurz: Ich bin schweißgebadet.
Derweil singen Willie Nelson und Merle Haggard so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Das muss so, weil ich nämlich meinerseits laut mitsinge.
Zum Röhren der Küchenmaschine, die heißläuft während ich allmählich abkühle, passen dann Rock und Pop besser – lauter altes Zeug. Und zum Abfüllen des fertigen Aufstriches Balladen …

Iris

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3 Gedanken zu “Zwiebelaufstrich

  1. Über die Anschaffung des „Schätzchens“ habe ich auch echt lange nachgedacht! Doch es hat sich gelohnt (Gott sei Dank). Wer sieht, wie ich hier Herzflattern bekomme, wenn sich die Mandeln in Sekunden schnelle in Mus verwandeln… 😉 Du hast aber nicht ernsthaft um die 20 Kilo! Zwiebeln verarbeitet!? Allein die alle zu schälen…unglaublich…In meiner Playlist wären auf jeden Fall „cry me a river“, „cry,cry,cry“, und „tears in heaven“ vorgekommen. Da habt ihr ja jetzt einiges an Vorräten!
    Der Aufstrich kling echt super lecker, in der Kombination von Zwiebel und Kichererbse. Hört sich nach einer kleinen Aroma-Bombe an.
    Ich bin ja auch so ne Zwiebel- und Lauchtante und muss immer am Lauch riechen, wenn ich einem Kunden mal wieder das gute Grün abschschneiden musste. Lecker. 🙂
    Liebe Grüße, Jenny

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    1. Zugegeben: Beim Schälen hatte ich Hilfe. 🙂
      Unsere Oignons doux sind nicht nur sehr groß, sondern auch ganz mild – da fließen keine Tränen.
      Sonst hätte ich mir noch vor der Küchenmaschine eine Taucherausrüstung angeschafft … 😀

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