Aschtag

Wir haben aufgemerkt, als jemand erzählte, seine Großmutter habe die Wäsche mit Asche gebleicht – sind wir doch mit unserem selbst hergestellten Waschmittel aus Efeu sehr zufrieden.
Erste Recherchen blieben jedoch erfolglos: Zum Bleichen wurde die Wäsche früher auf Wiesen in die Sonne gelegt.
Sonne hätten wir auch reichlich, aber abgesehen davon, dass die cevenolen Windböen kleinere Teile bis ins Tal wirbeln würden, dürften wir uns vermutlich ruckzuck über ein Hundepfoten-Design auf der Bettwäsche freuen.
Was das betrifft bleiben wir lieber beim bewährten Wäscheständer!
Waschen allerdings kann man mit Asche in der Tat und ich habe sogar eine Bauanleitung für eine „Aschmaschine“ gefunden, mit der man seine Wäsche auf Reisen waschen kann.
Einen Hinweis darauf, dass man Asche einfach mit in die Waschmaschine geben könne, finde ich nirgends: offenbar muß die Wäsche längere Zeit eingeweicht werden. Grundsätzlich finde ich das erst einmal unpraktisch.
Andererseits entsteht die Asche (sehr im Gegensatz zum Efeuwaschmittel) ganz von selbst und im Winter ist der Küchenofen rund um die Uhr in Betrieb – kein Problem eigentlich, einen Topf voller Wäsche über Nacht auf die Ofenplatte zu stellen …
Für einen ersten Testlauf entscheide ich mich für solche Wäschestücke, die hohe Temperaturen vertragen – schließlich will ich nicht während der Nacht via Badethermometer die Waschtemperatur kontrollieren.
Unsere Küchenhandtücher werden über eine eventuelle Bleichwirkung beredt Auskunft geben: In unserer Küche leben Kobolde, die nachts ihre kleinen, schmutzigen Pfoten an den Handtüchern abputzen (anders jedenfalls ist deren Zustand nicht zu erklären). Sollte es Verfärbungen geben, sind diese an meinen Taschentüchern gut sichtbar, aber keine Katastrophe.
Ich gebe die Testwäsche in unseren größten Kochtopf und gieße Wasser an. Anschließend verrühre ich einen gehäuften Esslöffel Asche mit Wasser und filtere die Mischung mit Hilfe eines alten Taschentuches (zum Ausspülen will ich die Waschmaschine benutzen, da könnten Aschebröckchen eher störend wirken).
Als ich die Lauge in den Kochtopf gieße, verursacht sie in dem zuoberst liegenden Handtuch einen sattgrauen Fleck, dessen Anblick meinen Enthusiasmus deutlich dämpft. Erfreulicher schon ist der Geruch, der durch die Küche wabert, als das Wasser heiß wird: Als ich ein Kind war, gab es noch Waschküchen, die die Bewohner eines Wohnblockes sich teilten. Da roch es bei der großen Wäsche genauso!
Am nächsten Morgen gieße ich die Wäsche ab – da wir die Asche normalerweise als Dünger verwenden, kann ich das Wasser ganz unbesorgt ins Blumenbeet gießen – und spüle sie in der Waschmaschine aus.
Die fertige Wäsche ist weder aschgrau, noch riecht sie unangenehm.
Der schlimme Fleck ist verschwunden – weiß sind die Handtücher allerdings nicht geworden. Was nicht wirklich überrascht: Dazu hätte man vermutlich entweder Chlor verwenden, oder aber neue Handtücher kaufen müssen.
An meinen vormals weißen Taschtüchern meine ich einen zarten Vanilleton wahrzunehmen …
Was Wunder: Kastanienholz färbt sattbraun – warum sollte seine Asche nicht färben?
Da die Tücher nicht in die Brusttasche eines Fracks, sondern in die Hosentasche einer Bäuerin kommen, stört das nicht wirklich – sauber scheinen sie jedenfalls zu sein!
Ich schätze, es wird noch ein paar weitere Tests geben …

Iris

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