Épisode cévenol

In den Cevennen scheint an 300 Tagen im Jahr die Sonne.
Dennoch, habe ich neulich erfahren, ist die Niederschlagsmenge dieselbe wie im eher regnerischen Rheinland.
Mit anderen Worten: Wenn es in den Cevennen regnet, dann regnet es richtig!
Eine ganz besondere, typisch cevenole Wetterlage, ist sogar entsprechend benannt worden: die épisode cévenol. Hier geht der Starkregen mit Windböen einher, die so heftig sind, dass der Regen nicht fällt, sondern horizontal auftrifft …

Öffnet man also die Haustür im falschen Moment, treibt es den Regen meterweit in den Raum hinein. Und auch, wenn man sich mit Regenjacke und Gummistiefeln gut gerüstet fühlt: Der halbe Meter ungeschützter Hose, der sich sonst lediglich mit dem Wasser vollsaugt, das die Jacke hinunterläuft, ist in Windrichtung innerhalb von Sekunden nass.
Dem könnte man natürlich mit einer Regenhose vorbeugen …
Und das würde man selbstverständlich auch, wenn man vorhätte, ernsthaft raus zu gehen …
Tatsächlich jedoch zwingen traditionelle cevenole Wohngebäude ihre Bewohner immer wieder, „kurz mal über den Hof“ zu laufen: Von der Küche zum Vorrats- oder Waschkeller, vom Schlafzimmer zur Toilette …
Dafür lohnt die Regenhose auf gar keinen Fall – es stellt sich eher die Frage, ob man es, entsprechende Geschwindigkeit vorausgesetzt, ohne die im Esszimmer vergessene Regenjacke schafft. Das kann, wenn es gerade etwas weniger regnet, funktionieren, sofern man genau weiß, an welchen Stellen die Regenrinne überläuft. Und wo im Hof und in den Kellerräumen die tiefen Pfützen sind.
So ganz trocken fühlt man sich während einer épisode cévenol nur, wenn man nachts im Bett liegt. Sofern das Dach dicht ist …

„Ernsthaft raus“ geht es, wenn der Wasserfall, den man bei Starkregen von der Küche aus sehen kann, plötzlich Schlamm mit sich führt: Dann muss die Ablaufrinne in der Einfahrt freigeschaufelt werden, bevor das Wasser diese wegreißt. Die Einfahrt, nicht die Rinne …

Kommen Gewitter hinzu – und die gehören zu einer anständigen épisode cévenol! – fällt zu allem Überfluss auch noch der Strom aus.

In religiöser Hinsicht haben die Cevennen eine durchaus bewegte Vergangenheit …
Ob da mal eine der Parteien mit dem Teufel gepokert hat? 300 Sonnentage gegen so ein klitzekleines bißchen Unbill?
Der Umgang mit besagtem Unbill jedenfalls, ist ein sehr gelassener: „C’est normal!“, sagt man hier.
Und hat eine – nebenbei bemerkt: ziemlich süffige – Biersorte danach benannt.

Iris

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