HEDI ULTRA …

… und ein paar Sachverhalte, für die es keinen Namen gibt, obwohl sie dringend einen bräuchten …

Travaillez surtout avec les materiaux sur place!“, der Wahlspruch einer lieben Freundin zum Beispiel, gehört dazu: „Arbeite mit dem, was du dort vorfindest, wo du bist!“.
„Act local“ trifft es noch nicht so ganz, finde ich, geht es doch um solche Dinge, die in ganz unmittelbarer Nähe zu finden sind. „Micro local“ würde zwar besser passen, lässt es aber an Selbsterklärlichkeit fehlen …
Aber auch wenn es bislang an einem klingenden Namen fehlt, das dazugehörige Experiment läuft!

Zu den Dingen, die uns gleich in ungeheurer Menge umgeben, gehört Efeu und eine Verwendungsmöglichkeit ist auch schon gefunden: Man könne Waschmittel daraus herstellen lasen wir ein wenig verblüfft im Blog Das Leben ist jetzt.
IMG_15417-webWir sammeln also jeweils ca. 65g Efeublätter, schneiden diese klein und übergießen sie mit 600 ml kochendem Wasser. Die Mischung lässt man 5 bis 8 Minuten lang sieden und füllt sie dann, sobald sie abgekühlt ist, in ein Einmachglas. Dieses wird ab und zu geschüttelt, bis sich Schaum gebildet hat. Zum guten Schluss wird das Ganze durch ein Sieb gegossen und in eine Flasche gefüllt.
Für einen Waschgang benötigt man 200ml des Mittels.

Da wir uns durchaus nicht sicher sind, ob die Wäsche sich nicht womöglich grün verfärben oder unangenehm riechen könnte, beschließen wir, für einen ersten Test die „Hundewäsche“ zu benutzen – diejenigen Laken und Handtücher also, auf denen Oskar zu liegen pflegt. Denn mal ehrlich – wenn die hinterher schmuddelig wirken und müffeln sollten, hat sich nichts Wesentliches verändert …
Die Wäsche kommt jedoch in ihrer Ursprungsfarbe und mit völlig neutralem Geruch aus der Maschine. Sauber ist sie nicht geworden – wir haben allerdings Grund zu der Vermutung, dass kein legales Mittel das erwirken könnte.

Also probieren wir es im zweiten Durchgang mit unseren Arbeitsklamotten und amüsieren uns mit der Vorstellung, es wie in der Fernsehwerbung unserer Kindheit zu machen und zwei blendend weiße T-Shirts mit Schlamm, Tomatenketchup und Schokoladeneis einzuschweinen, um sie dann in je ein gläsernes Becken zu tauchen – links sehen Sie Ihr altes Waschmittel, rechts das neue HEDI ULTRA …
„HEDI“ kommt von hedera helix, der lateinischen Bezeichnung für Efeu – diesen Namen zu erfinden immerhin hat uns keine Schwierigkeiten bereitet.
Mangels Aquarien und weißer Arbeitsbekleidung stopfen wir dann aber doch die ganz normale Wäsche in die ganz normale Waschmaschine. Auch die wird nicht zu 100% sauber, das war allerdings bei dem vorher benutzten „normalen“ Waschmittel auch nicht anders: Cevenoler Mutterboden, den man gründlich in seine Hosen eingearbeitet hat, ist hartnäckig.

Hautprobleme oder dergleichen gibt es nicht und so sind wir bislang mit den Ergebnissen durchaus zufrieden. Im nächsten Schritt werden wir die „gute“ Wäsche in die Testreihe aufnehmen.
Probleme mit der Waschmaschine sind nicht zu erwarten: Das hiesige Wasser ist so weich, dass das Fehlen von Entkalker keine Rolle spielt. Und so erfreuen wir uns eines kostenlosen Waschmittels, das zu 100% biologisch abbaubar ist.

„Für das Geld kannst du das nicht selber machen!“ ist ein Ausspruch, an den ich mich von meiner Großmutter und Mutter erinnere, wenn es um Dinge ging, die man besonders günstig im Supermarkt kaufen konnte. Und natürlich drängt sich die Frage auf, ob man unbedingt ein Waschmittel selbst herstellen muß, das man für kleines Geld überall kaufen kann.
Die Gegenfrage, ob es wirklich immer sinnvoll ist, Geld zunächst einmal für angemessene Kleidung, Anfahrt, Kantinenessen etc. auszugeben, damit man einer Arbeit nachgehen kann, von deren Entgelt man anschließend das Waschmittel kaufen kann, kommt unbequem und widerborstig daher.

Für uns ist sie – auf eine (zugegeben!) sehr privilegierte Weise – leicht zu beantworten: Wir arbeiten, wo wir leben und sind in vielen Fällen einfach frei, zu entscheiden, ob wir für die Arbeit anderer bezahlen, oder sie gleich selbst erledigen möchten.
Was den konkreten Fall des Waschmittels betrifft, dauert die Autofahrt zum nächsten Tante-Emma-Laden mindestens 20 Minuten, die zu einem größeren Supermarkt 45 bis 60. Und es stellt sich beim Einkauf die Frage der angemessenen Kleidung (und womöglich eines Restaurantbesuches), die uns bei der täglichen Arbeit erspart bleibt. Dass wir nicht extra wegen einer Flasche (einer Verpackung, die bei uns im übrigen auch nicht anfällt) Waschmittel zum Einkaufen aufbrechen, versteht sich sicherlich von selbst. Wir versuchen im Gegenteil, das so selten wie nur irgend möglich zu tun.

Ja, na klar, man könnte sie eben mit in den Einkaufswagen packen, die Flasche Waschmittel, wenn man sowieso in der Stadt ist. Wenn man mal ausrechnet, wie lange man für die dreieurofuffzich arbeiten müsste, die man sonst spart … Aber anstatt das eigene Tun in virtuelle Stundenlöhne zu „vermilchmädchen“, könnte man sich auch einmal überlegen, wieviel Erwerbsarbeit erspart bleibt, wenn man kein Geld für Dinge ausgibt, die man selbst herstellen kann. „Überlege stets, ob du dafür wirklich erst Geld erarbeiten willst!“ ist ein weiterer Wahlspruch, der noch auf ein kerniges Schlagwort wartet …

Bis das soweit ist, nehme ich auf den Weg in den Garten mein Körbchen mit und schneide Efeu.
Waschmittel ist alle …

Iris

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4 Gedanken zu “HEDI ULTRA …

  1. Wenn Du jetzt noch ausprobierst, ob die Efeuwaschlauge, die aus der Waschmaschine kommt, den Pflanzen rundherum schadet oder womöglich sogar guttut, kannst Du das Wasser aus der Maschine direkt in die Beete statt in die fosse leiten – das wäre dann mal wieder echte Kreislaufwirtschaft.

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