Wandertage

Im Frühjahr sind unsere Schafe ganz außerordentlich unternehmungslustig …
Grundsätzlich trauen sie uns zwar durchaus zu, sie auf gute Weidegründe zu führen, andererseits wissen sie aber auch ganz genau, wo man im Frühjahr sonst noch gepflegt speisen kann …

Der Rasen vor der Ferienwohnung zum Beispiel wird erst kurz vor der Urlaubssaison gemäht – bis dahin stellt er (eventuelle Zierpflanzen inklusive) eine Art Feinschmeckerplatte dar, die gerne genommen wird. Dass der Schutz durch einen Zaun fehlt, stört die Schafe kein bisschen.
Wenn ich mir meine Blumenbeete (oder die diversen Versuche, welche anzulegen) so anschaue, frage ich mich sowieso, was Zäune eigentlich vor wem schützen …

Seltsamerweise halten sie sich derzeit am liebsten auf einer Fläche direkt unterhalb des Wohnhauses auf, die eigentlich schon vollkommen abgeweidet ist. Vielleicht dient sie aber auch einfach als eine Art Basislager, von dem aus verschiedene Projekte verfolgt werden:
Zugang zum Küchengarten zum Beispiel.
Hat man Schnittlauch, Salbei und die Johannisbeersträucher erst einmal „zurechtgestutzt“, bietet der Küchengarten eigentlich auch nichts anderes, als andere Grünflächen.
Wenn man einmal von der Herausforderung absieht …
Nicht überall lohnt es sich, feste Drahtzäune aufzustellen – häufig sind Schafszäune praktischer und flexibler. Und – zugegeben – nicht alle stehen dauerhaft unter Strom (der die richtig guten Springer im Übrigen auch nicht davon abhält, geplante Ausflüge auch zu machen).
Die Schafe scheinen das sehr genau zu wissen und unsere Bemühungen eher von der sportlichen Seite zu nehmen: Kann man darunter durchkriechen? Darüber springen? Sich durch die Maschen winden? Dagegen anrennen, bis der Zaun nachgibt?
Erster Preis: Wir sind im Küchengarten!
Zweiter Preis: Es gibt Leckerchen, wenn wir aus dem Garten rausgehen.
Trostpreis: Sie verwenden viel Zeit drauf, uns aus dem Zaun zu befreien …

Alternativ unternehmen sie auch sehr gerne eine Wanderung entlang der Grundstücksgrenze, genießen die Aussicht vom Hügelkamm und kommen dann durch die Hofeinfahrt wieder angeschlendert. Danach suchen sie gerne ihr Basislager für eine ausgiebige Ruhepause auf. Vermutlich nutzen sie diese Zeiten auch dazu, sich die nächsten Schandtaten auszudenken.

Nicht, dass wir uns nicht alle Mühe geben würden, ihre Aufenthaltsorte ausbruchssicher zu gestalten, aber die Schafe erweisen sich als ähnlich hartnäckig und findig wie die Wildschweine, deren Angewohnheit, störende Zäune regelmäßig hochzudrücken oder – besser noch! – ganz umzulegen, ihnen natürlich bei ihrem Treiben sehr entgegenkommt.
Selbst die Lämmer tun wacker mit!
Und es ist hochspannend, zu beobachten, wie ihre Mütter – oder diejenige von ihnen, die gerade für die Leitung des „Kindergartens“ zuständig ist, die Kleinen dabei „anleitet“: Wenn die Kindergärtnerin der Ansicht ist, dass noch eine Ehrenrunde gedreht werden muss, bevor man das Basislager aufzusuchen geneigt ist, laufen alle Lämmer mit ihr mit.
Ist auch das erledigt, begeben sich alle zur Ruhe. Bis zum nächsten Wandertag …

Iris

 

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2 Gedanken zu “Wandertage

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