Valentina und Oskar

Bei Welpen, habe ich mal gehört, könne man häufig beobachten, dass sie die Jagdsequenzen, die in der Natur vor einer Mahlzeit stattfinden, anschließend nachholen.
Auf Valentina trifft das einhundertprozentig zu: Nach dem Essen rast sie über den Hof, als würde ihr – Entschuldigung – der Hintern brennen.
Da es heute heftig regnet, kann ich sie nicht draußen toben lassen, in der Küche kann ich die wilde Jagd aber auch nicht brauchen. Ich beschließe daher, die jagdliche Erregung vermittels eines Stückes getrockneten Rinderfelles zu kanalisieren: Das „erlegt“ sie mit großem Engagement.

Oskar, der Dörrfleisch in einem Bruchteil der Zeit verkasematuckelt, die sie dafür benötigt und ihr ihre Beute anschließend ohne sonderliches Zögern wegnehmen würde, bekommt noch vor ihr eine (größere und härtere) Rindernase. Und schaut mich, als ich der Kleinen das Fell gebe, mit traurigen Kinderaugen an: „Mir gibst Du keins!“ …
Also bekommt er auch noch ein Stück Fell und ich eine halbe Stunde zufrieden knurpsenden Küchenfriedens.
Als Valentina zwischendurch an den Wassernapf geht, macht Oskar sich auf, ihr Fellstück zu klauen (seines hat er längst aufgegessen). Das verbiete ich ihm und während ich damit beschäftigt bin, mopst Valentina ihrerseits seine Rindernase.
Einen Moment später liegen sie wieder hochzufrieden auf ihren Plätzen – beide mit der Knabberei des jeweils anderen …

Einen Tag später genügt es, dass ich die Küche für eine halbe Minute verlasse. Als ich zurückkomme, sehe ich zwei Gestalten in entgegengesetzten Richtungen durch den Raum huschen – jede zurück auf ihr Bett, jede mit der Beute der jeweils anderen …

oskar_wird_9Ansonsten backt Valentina Oskar gegenüber – seit diesem doch einmal der Geduldsfaden gerissen ist – sehr kleine Brötchen. In diesen Schietwetter-Küchentagen nun findet eine langsame und vorsichtige Annäherung statt: Zum ersten Mal beobachte ich, dass Oskar an ihr schnuppert – ein erster Schritt von „wenn ich dich konsequent ignoriere, bist du vielleicht wirklich nicht da“ hin zu „wer bist du überhaupt?“ …
Kontaktliegen findet durchaus regelmäßig statt, gern auch in synchroner Körperhaltung, aber stets mit mindestens einem Meter „Sicherheitsabstand“. Ein einziges Mal liegen beide auf einem Bett: Sie hat ganz vorsichtig ihren Kopf auf die Bettkante gelegt, er tut sein Bestes, sich nicht anmerken zu lassen, dass er das bemerkt haben könnte.

Draußen orientiert Valentina sich ganz offensichtlich an ihrem „Onkel“ Oskar: Bei unseren Spaziergängen zum Briefkasten, auf denen sie uns mittlerweile begleiten darf, läuft sie, wo er läuft, schnuppert, wo er schnuppert und „scannt“ die Umgebung, wie er es tut.
Was mich zu einem weiteren Experiment in Sachen „Erziehung im Schnelldurchgang“ inspiriert:
Valentina verabscheut die ätherischen Öle, die ich ihr gegen Zecken ins Fell tropfen möchte. Festgehalten zu werden ist ihr generell unangenehm, mit etwas Geduld und gutem Zureden kann ich ihr aber durchaus Zecken entfernen. Kommt jedoch das Zeckenmittel ins Spiel, klemmt sie die Rute, wird stocksteif vor Angst und ergreift, wenn irgend möglich, die Flucht. Und obwohl sie für Leckerchen sonst jederzeit zu haben ist, hat sie leider ruckzuck begriffen, dass mit dem Locken auch unangenehme Konsequenzen verbunden sein können.
Oskar dagegen findet den Geruch des Präparates zwar auch nicht angenehm, reagiert aber weit weniger heftig, sondern runzelt lediglich angewidert die Nase, wenn er direkt an der Flasche riecht. Und er ist daran gewöhnt, auf das Signal „stillhalten“ hin alle möglichen „Zumutungen“ über sich ergehen zu lassen.
Ich bitte ihn also vor Valentinas Augen, „stillzuhalten“, tropfe ihm das Mittel ins Fell und belohne ihn dafür. Sie beobachtet das Ganze sehr sehr aufmerksam.
Wunder erwarte ich mir nicht davon, aber ich bin sehr gespannt, ob sie auf diese Weise lernen wird, ein wenig gelassener zu reagieren.

To be continued …

Iris

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