Von Wildschweinen und Zäunen

Zumal im Winter widmen wir einen nicht geringen Teil unserer Arbeitszeit einer Tierart, mit der zusammenzuleben wir uns durchaus nicht ausgesucht haben.
Die Wildschweine mögen finden, dass umgekehrt ein Schuh daraus wird: Schließlich waren sie zuerst hier …

Zu sehen bekommen wir sie nur ganz selten, aber über die Ergebnisse ihres Treibens stolpert man im wahrsten Sinne des Wortes.
Gaaanz langfristig könnten wir vielleicht zu einer Form der Kooperation kommen, bei der sie dort „pflügen“, wo wir das gut brauchen könnten. Bis dahin graben sie einfach um: Gemüsepflanzungen, Rasen, Wirtschaftswege … was immer ihnen lohnend erscheint.
Wobei die tatsächlichen Schäden erstaunlich gering sind: Nachdem sie mit dem Erdbeerbeet „fertig“ waren, sah dieses zwar nach Sodom und Gomorrha aus, die Erdbeerpflanzen selber jedoch waren unversehrt. Ich musste sie lediglich ausbuddeln.

Was den Erhalt der von ihnen angelegten Wege angeht, sind sie ganz außerordentlich hartnäckig.
Zäune, die diese unverschämterweise queren, werden im Idealfall (aus Wildschweinsicht, versteht sich) umgelegt, oder doch wenigstens untergraben.
Dabei buddelt man, bis man sich unter das Drahtgeflecht schieben kann und drückt dieses dann mit dem Rücken nach oben bis eine Art Tor entsteht.
Wir würden uns und den Schweinen eine Menge Arbeit ersparen, wenn wir ihnen diese „Tore“ einfach ließen. Da sie aber auch von den Schafen und Ziegen gerne genutzt werden, was wir nicht ganz so gerne sehen, beginnt ein zähes Ringen …

Im ersten Schritt wird der Zaun wieder nach unten gedrückt und die unteren Maschen mit den hier allgegenwärtigen Schieferplatten beschwert. Kein Problem für die Schweine, die Steine beiseite zu räumen, aber es kostet sie Zeit. Zeit, in der Schafe und Ziegen nicht ausbüxen können.
Nach zwei, drei Durchgängen dieser Art ist soviel Boden weggebuddelt, dass handliche Schieferplatten keinen Halt mehr finden. Ergo: Große Schieferplatten!
Auch die sind so quasi allgegenwärtig, müssen dann aber schon ein paar Meter getragen werden. In steilem, unwegsamem Gelände voller Gestrüpp – falls ich vergessen haben sollte, das zu erwähnen.
Hat man ein paar große Schieferplatten strategisch geschickt platziert … konzentrieren die Schweine ihre Bemühungen auf den Zaunabschnitt 50 Zentimeter weiter …

Ein paar Wochen oder Monate später sind alle brauch- und erreichbaren Schieferplatten im Einsatz, jetzt sind kreative Lösungen gefragt!
Ohne Taschenmesser und Arbeitshandschuhe geht die Bäuerin von Welt sowieso nicht vor die Tür – jetzt kommen Handsäge, Schnur, Draht und Zange dazu.
Alte Zaunpfähle und kleine Baumstämme werden in den unteren Maschen des Zaunes verkeilt (in Phase I jedenfalls – in Phase II werden sie mit Schnur hineinverknüpft).
An Schnüren haben sie – im wahrsten Sinne des Wortes – echt zu knabbern!
Aber es ist ihnen ganz offensichtlich ernst und sie haben Zeit. Jede Menge Zeit.

Ich hab Ideen.
Eine Stelle, an der sie ganz besonders gewütet haben, blockiere ich, indem ich eine Palette in den unteren Maschen des Zaunes verkeile. Ich breche mir fast das Kreuz dabei, bin aber guter Dinge, dass hier erst einmal Ruhe herrschen wird.
Meine Sternstunde als 1-Frau-Zaunsicherungsunternehmen erlebe ich, als es mir gelingt, die Unterkante des Zaunes mit Draht an einer Baumwurzel festzuzurren. HA!

Die Wildschweine erkennen diesen genialen Coup demütig an.
Den neuen „Durchgang“ finde ich kurze Zeit später einen Meter oberhalb …

Iris

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2 Gedanken zu “Von Wildschweinen und Zäunen

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