Hundeerziehung bilingual

Als Oskar in Valentinas Alter war, hat unsere damalige Trainerin mir einen hochwichtigen Rat gegeben: „Sag das einfach dazu, dann hat er das schonmal gehört …“.
Und so habe ich schon „aussteigen!“ gesagt, als ich ihn noch aus dem Auto gehoben habe. Als er alt genug war, um selbst hinauszuspringen, war die Sache verstanden: „aussteigen“ ist der Moment, in dem man aus dem Auto raus darf.
Weiteres Üben war nicht nötig.

Oskar hat viele Signale auf diese Art und Weise gelernt, aber Valentina ist jetzt Testhund für die Hardcore-Version der Methode: Da ich schlicht nicht die Zeit habe, Signale „aufzubauen“, wird so ziemlich alles, was sie für den Alltag wissen muß „einfach dazugesagt“. „Komm rein“, „geh raus“, „ici“, „komm mit“, „Pipi“ …
Mir wäre ja alles andere lieber gewesen, als ausgerechnet „Pipi“, aber es ist tatsächlich mal ein Signal, das sowohl Deutsche als auch Franzosen verstehen.
Denn eigentlich soll Valentina, da sie ja hoffentlich hier in Frankreich vermittelt wird, französische Hörzeichen lernen. Wer sich übrigens mal Sorgen um die Frage gemacht hat, ob die deutschen Hörzeichen „Sitz“, „Platz“ und „Fuß“ für Hunde nicht zu ähnlich klängen, der möge sich „ici“, „assis“, „fini“ und „Pipi“ vorstellen …
Im Alltag gelingt es mir sowieso nicht, immer rechtzeitig in die richtige Sprache zu wechseln und so lernt Valentina „Freutsch“. Und das klappt erstaunlich gut.

Bei „à ta place“ mache ich eine Ausnahme und lotse sie mit Futterbröckchen auf das Badetuch, das ihr an Stelle der Fußmatte als Bett dienen soll. Nach wenigen Versuchen läuft sie zum Badetuch, sobald ich die Dose mit dem Futter in die Hand nehme.
Einen Tag später legt sie sich von sich aus dort hin, was allerdings auch daran liegen könnte, dass die Möglichkeit, rechts das Brennholz und links einen Schrank benagen zu können, ihr attraktiv erscheint.

Die Geschwindigkeit, mit der dieser kleine Hund Dinge begreift sowie das Hüteverhalten, welches sie menschlichen Beinen gegenüber gelegentlich zeigt (vor den Schafen hat sie bislang noch Angst) lassen vermuten, dass die Annahme, ihr Papa sei ein Border Collie zutrifft.
Auch kommt sie nur schlecht zur Ruhe. Spannende Aktivitäten dürfen nur sehr kurz sein, anderenfalls fährt sich sich hoch und immer höher. Einmal „angekurbelt“, muss ich sie auf dem Arm tragen und wenn möglich anschließend in ihrer Box unterbringen, damit sie sich wieder beruhigen kann (das übrigens funktioniert ganz tadellos: sowie sie in der Box ist, legt sie sich hin).

An diesem Punkt wird mir zum ersten Mal deutlich, dass Oskar sie tatsächlich erzieht.
Augenscheinlich hat sie verstanden, dass neben ihrer Box sein Bett ein Ort der Ruhe ist. Als ihre Toberei draußen kein Ende findet, hole ich sie in die Küche und nach ein paar Minuten steuert sie tatsächlich die Liegestelle an. Er lässt sie gewähren.
Als sie aber beginnt, den Bettdeckenbezug zu zerfleddern, blafft er sie an.
Gar nicht einmal aufgeregt – einfach nur ein Laut des Unmutes: Und Ruhe ist.
Einen Moment später schläft sie tief und fest.

Das Geräusch des Standmixers weckt sie auf.
Und sie findet es unheimlich genug, um aus dem Bett zu flüchten.
Ich nehme sie auf meinen Arm und lasse sie aus dieser Sicherheit sehen und hören, was das gruselige Gerät tut.
Anschließend setze ich sie in sicherer Entfernung ab.
Als ich das nächste Mal hinschaue, liegt sie im Bett und pennt. Zuckt, wenn ich den Mixer anmache, nicht einmal mit dem Öhrchen …

To be continued

Iris

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