Won’t you be my Valentine?

Hundewelpen zögen domestikationsbedingt die menschliche Gesellschaft der anderer Hunde vor, hab ich mal gelernt.
Was Valentina betrifft, kann ich das bestätigen: Freya ist genau so lange eine geschätzte Adoptivmama, bis ich in Sichtweite komme …
Dann gibt das Hundekind alles, um nur ja an meinen Fersen haften zu bleiben.

Eigentlich, in einer idealen Welpenaufzuchtwelt, würde ich sie auf meinem Arm tragen, damit sie die Welt aus dieser Sicherheit heraus kennen lernen kann. Ab und zu – vor allem, wenn Treppen zu bewältigen sind – tue ich das auch.
Aber die kleine Maus ist nicht in einer idealen Welt gelandet.
Bei uns kann sie nicht bleiben und die neuen Besitzer – wenn wir denn hoffentlich welche finden – werden sie wahrscheinlich als Hofhund halten wollen.
Darauf würden wir sie schon hinreichend vorbereiten, indem wir sie einfach nicht verjagen …
Wir täten ihr keinen Gefallen, wenn wir sie jetzt an den Aufenthalt im Haus gewöhnten.
Aber es wird kalt nachts und keinem von uns ist wohl bei dem Gedanken, mal auszuprobieren, ob sie am nächsten Morgen wohl immer noch da ist.
Also darf sie im geheizten Esszimmer übernachten. Und kommt zu diesem Behufe in den fragwürdigen Genuss eines Highspeed-Boxentrainings: Hund in die Box, Box zu, fertig.
Meinem Hundetrainermagen wächst ein Geschwür dabei, das merke ich ganz genau!
Aber Tatsache ist, dass das Hundekind nach all den Erlebnissen, zu denen ja mindestens eine Nacht ganz allein auf dem Hofgelände gehört haben muss, sowieso fix und fertig ist.
Sie schreit empört und ausdauernd, sobald ich mich aus ihrer Nähe entferne. Setze ich mich aber neben die Box, legt sie sich mit einem Aufseufzen hin und ist einen Moment später eingeschlafen.

Als mein Oskar in diesem Alter war, habe ich ganz selbstverständlich auf einer Isomatte bei ihm geschlafen, um ihn ganz behutsam daran zu gewöhnen, seine Nächte allein zu verbringen (einen Aufenthalt im Schlafzimmer ließ meine damalige Wohnsituation nicht zu). Jetzt schleiche ich auf Zehenspitzen davon. Aber wir können sie hören durch den Holzboden.Und sie uns auch.

Zwei Dinge habe ich heute gelernt über dieses Hundemädchen.

Sie hat Nehmerqualitäten.
Oskar mag keine Welpen. Schon die Tatsache, dass sie in seiner Nähe atmen, hält er für eine Zumutung.
Da er unterdessen offenbar altersmilde wird, hat er Valentina im Freilauf drei, vier mal angeknurrt, bevor er sie kieloben gedreht hat.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sie nicht einmal berührt hat – sie aber liegt, alle Viere in die Höhe streckend, auf dem Rücken und schreit.
Um dann, ein ganz klein wenig gehemmter, aber gleichwohl unverdrossen, weiter hinter uns her zu wackeln.

Sie hat einen Willen.
Soll sie halt mit mir mitlaufen auf meinem Weg zu den Ziegen – durch das Tor nehme ich sie nicht mit.
Ist auch nicht nötig: Sie quetscht sich irgendwie hindurch, steht plötzlich mitten unter den Ziegen und wird – die Nettigkeit von Ziegen wird häufig überschätzt – gleich mal gerammt. Schreit auf und sucht hinter mir Schutz. Und wirkt gar nicht unzufrieden dabei: Sie hat mich gesucht und gefunden.
Und natürlich bringe ich sie dann auf meinem Arm in Sicherheit …

Die erste Nacht mit Valentina endet um halb vier.
Kein Grund zur Klage eigentlich – für die erste Nacht in einer Box und in fremder Umgebung hat sie lange geschlafen. Jetzt allerdings ist sie wach und gut bei Stimme.
Draußen ist es nicht nur kalt, sondern auch noch dunkel. Nachdem ich ein paar Minuten lang mit der Taschenlampe draußen umhergewankt bin, gebe ich klein bei und nehme sie mit in die Küche. Oskars Begeisterung hält sich in äußerst engen Grenzen, aber bis auf gelegentliches Grummeln lässt er sie gewähren.

***

Den Tag verbringt Valentina mit den anderen Hofhunden im Freien. Zu gerne würde sie mit ihnen spielen, aber Freya und Brian ignorieren ihre durchaus charmanten Angebote. Dass ausgerechnet Victor sich gerne „überreden“ lassen würde, ahnt sie nicht. Vor ihm hat sie den allergrößten Respekt. Aber selbst so wirkt ihre Nähe offenbar tröstlich und beruhigend. Und ich kann beobachten, wie sie ihr eine wunderbare Lektion zum Thema „Welpen benötigen viel Ruhe“ erteilen: Stunde um Stunde machen sie ihr vor, wie man lang ausgestreckt in der Sonne liegt und pennt. Und Valentina erweist sich als sehr gelehrig.

Während der Fahrt zum Tierarzt und selbst auf dessen Behandlungstisch ist sie vollkommen gelassen und vertrauensvoll.
Nach seiner Einschätzung ist sie circa 6 Wochen alt.

Nach ein wenig „seriösem“ Boxentraining, dauert die nächste Nacht dann auch schon etwas länger.
Oskar schlägt sich unterdessen recht wacker als „Onkel“:
Valentina darf aus seinem Wassernapf trinken, durch sein Bett tapern, ja sogar ihre kleine Nase in seinen Joghurtbecher (freilich erst nachdem er diesen ausgeleckt hat) stecken.
Erst als sie sich völlig vergisst und seine Pfote betatzt, verliert er die Contenance und fährt sie an. Sie kreischt auf und ist einen Moment lang wirklich beeindruckt. Einen Moment lang …

***

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Was Valentina hier „erlegt“, ist ein Büschel von Freyas Fell.

Wie wir inzwischen in Erfahrung bringen konnten, kann Valentina nicht zu ihrer Mutter zurück: Es besteht Grund zu der Annahme, dass es die Hündin selbst war, die ihre Welpen verschleppt und unterwegs zurückgelassen hat. Hier dagegen ist sie mittlerweile angekommen, hat die anderen Hunde zu ihrer Gesellschaft und fühlt sich sichtlich wohl.

Wir behalten sie also weiterhin bei uns und versuchen, ein neues Zuhause für sie zu finden.
IMG_14432-webValentina ist immer noch begeistert, mich zu sehen, und ich habe begonnen, ihr ein „ici!“ beizubringen, das ich ausrufe, wenn sie wie eine kleine Kanonenkugel auf mich zudonnert. Was die Box betrifft, gibt es eine kleine Fehlverknüpfung: Sie geht hinein, wenn sie Hunger hat. Zum Schlafen scheint ihr die Fußmatte ein attraktiver Ort zu sein. Und – nachdem sie lange darum herum geschlichen ist: Oskars Bett.
Der wiederum muss sein Leben als einzige Zumutung empfinden:
Der kleine Nervling wird ihm andauernd vorgezogen. Darf morgens als allererstes mit mir nach draußen, wird mit Aufmerksamkeit überschüttet und bekommt vor allem ichzig mal am Tag etwas zu essen …

Dafür reagiert er ganz außerordentlich geduldig. Und er fängt an, die lütte Deern zu erziehen: Papier zerreißen und Holz schreddern ist nicht erlaubt! Jedenfalls nicht, bevor man nicht sein Diplom als Haushaltshelferhund in der Tasche hat!

 

***

IMG_14421-webValentina erobert die Herzen:
Victor, der mehr als 65 mal so alt ist und circa 10 mal soviel wiegt wie sie und vor dem sie immer noch große Ehrfurcht hat, hat sich heute vor ihr auf den Rücken geworfen und mit allen vier Beinen in der Luft gerudert. Zu ihm hingetraut hat sie sich trotzdem nicht, aber sie ist offensichtlich fasziniert.
Soweit würde Oskar niemals gehen, keine Frage, aber als sie sich eben um ein Haar in sein Bett gelegt hätte, obwohl er schon darinnen lag, hat er immerhin getan, als habe er nichts bemerkt.
Nachts schläft sie jetzt in ihrer Box 6 bis 7 Stunden durch und auch am Tage kann ich sie ein bis zwei Stunden lang dort „parken“. Stubenreinheit … nun ja … near to perfect …
In ihren wachen Phasen rockt sie das Haus: Kein Schnürsenkel, kein Hosenbein, kein Jackenärmel ist vor ihr sicher. Sobald es warm genug ist, entdeckt sie den Hof – wahlweise mit mir, oder aber in der Obhut ihrer pelzigen Tanten und Onkels.

To be continued …

Iris

 

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7 Gedanken zu “Won’t you be my Valentine?

    1. Nun …: Behalten geht leider nicht. Wir wären die ersten, die dies wünschten, weil Valentina einfach ein tolles Hundekind ist. Sie hat sich bis hierher gerettet, ist voller Vertrauen, verhält sich mehr als korrekt gegenüber den unterschiedlichsten Hunden (wir haben vier) und lernt mit einer schier unfassbaren Geschwindigkeit. Sie ist absolut unterfordert, hier als Hofhündin in – vermutlich – dritter Reihe zu stehen. Besser wäre da schon ein Familie, die ihr mehr zu bieten hat. Ideen?

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  1. Dieses süsse Hundekind erobert doch jedes Herz. Dass sie bei erfahrenen Hundebesitzern Zuflucht gesucht hat, ist ein guter Start in die Zukunft. Ich bin sicher, dass ihr einen guten Platz für sie findet. Da sie ja mit 6 Wochen noch sehr jung ist, hat das doch noch etwas Zeit. Von seriösen Züchtern bekommt man hier Welpen so ab 3 Monaten. Drücke der kleinen Maus auf jeden Fall die Daumen, dass sich alles zum Guten wendet.
    Liebe Grüsse
    Barbara

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  2. Mei, ist die süss! Leider dürfen wir keinen Hund halten, und bis wir nach Südamerika reisen, vergeht noch ein Jahr.
    Hoffe von ganzem Herzen, dass ihr einen guten Platz für sie findet, oder sie doch noch behaltet. Da wie Utasflow schon geschrieben hat: Tiere wählen sich ihre Menschen 😊
    Liebe Grüsse
    Veronica

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    1. Es hat eine Weile gedauert, aber schlußendlich haben wir eine Familie für Valentina gefunden.
      Ab und an kriegen wir Fotos: Die kleine Maus ist ganz schön groß geworden!

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