Kleine Spargelkunde

Das größte der Beete in jenem Garten, den wir gleich nach unserer Ankunft aus dem Gestrüpp geschnitten und von Hand umgegraben haben, war für grünen Spargel. Recht problemlos hatten wir eine als qualitativ gut geltende „alte Sorte“ gefunden und voller Vertrauen das Beet nach allen uns bekannten Regeln und also recht mühsam angelegt. Es mussten vor dem Winter Gräben gezogen und organischer Dünger eingebracht werden. Im zeitigen Frühjahr wurden die gekauften Wurzeln eingesetzt und mit Erde bedeckt. Seit inzwischen fünfzehn Jahre ist der Spargel stets eines der ersten Gemüse, auf die wir uns ausgesprochen verlässlich freuen konnten.

Was wir damals nicht wussten, war, welchen Glücksgriff wir mit unserem Kauf getan hatten. Die Industrialisierung der Landwirtschaft hat in den 50ern nämlich auch den Spargel nicht verschont: War es bis dahin so, dass Spargel aus den im Herbst eingesammelten roten Früchten vorgezogen und später verpflanzt wurde (es so also mit der Zeit gut angepasste, regionale Sorten gab), wurde nun Hybrid-Spargel gezüchtet, der – weil weit überwiegend aus männlichen Pflanzen bestehend – ein homogeneres Ernteergebnis und damit eine leichtere Vermarktung brachte; um den Preis, dass nun eine eigene Vermehrung nicht mehr möglich war.

Heute werden im gewerblichen Spargelanbau (die Farbe spielt da übrigens keine Rolle, weißer Spargel wird grün oder violett, wenn er die Sonne sehen darf) praktisch nur noch solche Sorten verwendet. Ein wichtiger Grund dafür: Spargel wird nicht nur dort angebaut, wo er hingehört, halt ins Weinbauklima, sondern auch in anderen Gegenden mit sandigen Böden. Weil dort die Temperaturen meist nicht ausreichen, dann eben bevorzugt als „weißer Spargel“, also im unterirdischen Anbau. Die eigentlich zu langsam wachsenden Spargelstangen neigen dazu, reichlich zu verholzen. Zu den Besonderheiten weiblicher Spargelpflanzen gehört es nun, dass ihre Stangen deutlich dicker sind als die der männlichen Pflanzen. Das macht sie schwer verkäuflich: Wer nämlich annimmt, das eine dickere Stange eine ältere Stange ist, der wird eine noch stärkere Verholzung fürchten.

Unser Spargelbeet war und ist so ein Glückskind: Der Sorte gefiel die neue Gegend, der Samen der Pflanzen reift hier problemlos aus und der Bestand des Beetes erneuert sich zu einem nicht geringen Anteil ohne weiteres Zutun und eingesammelte Früchte können zudem auch für eigene Anzuchtversuche genutzt werden: ganz unabhängig und im Wissen um beste Qualität …

Bernd

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